Die Stellung des Kindes (2013)

Für das rumänische Drama erhielt Călin Peter Netzer den Goldener Bär und der Film ist ein hervorragendes Beispiel für die neue Welle des rumänischen Kinos, über die es hier mehr zu erfahren gibt. Die Story hinter dem Drama wirkt simpel, doch zeigt sie so gesellschaftliche und soziale Komplikationen in hervorragender Weise auf.

Die Stellung des Kindes handelt von einer Mutter, die mit allen Mitteln versucht, ihren Sohn zu schützen. Ihm droht aufgrund eines Unfalls, bei dem er ein Kind überfahren hat, eine Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren. Hierbei weist der Film, wie viele seines Genres, auf Korruption und Geldgier auf, wodurch ein ebenso präzises wie desillusionierendes Porträt der Bukarester Oberschicht kreiert wird.

Das Konzert (2009)

“Das Konzert” ist der leichtesten Film auf dieser Liste, der sich für auch für einen entspannten Freitagabend mit dem ein oder anderen Lacher eignet. Besonders Fans der klassischen Musik werden durch den beeindruckenden Soundtrack nicht enttäuscht. Doch auch die Story hat echte Tiefgänge.

Andrei Simonovich Filipov (Aleksey Guskov), ein einst erfolgreicher Dirigent im Bolschoi-Theater, gefeuert weil er jüdische Musiker in sein Orchester aufnahm, arbeitet als Hausmeister. Durch eine Schicksalswende bekommt er allerdings die lebensverändernde Möglichkeit mit seinem Orchester in Paris aufzutreten

Regisseur Radu Mihaileanu kreiert mit seinem Film neben der atemberaubenden Musik wunderbare Szenen mit schauspielerischen Höchstleistungen.

Police, Adjective (2009)

Mit diesem Krimi erschuf Corneliu Porumboiu den wohl am besten ausgearbeiteten Polizisten des gesamten rumänischen Kinos. In einer kleinen, ruhigen Stadt, von Alltagstrott durchzogen, ermittelt Cristi (Dragos Bucur) gegen einen möglichen Drogendealer. Zu Anfang scheint der Fall keine großen Schwierigkeiten darzustellen, doch während seiner repetitiv wirkenden Arbeit wird die größte Schwierigkeit des Beamten immer deutlicher: sein Gewissen arbeitet gegen sein Selbstverständnis als Polizist.

Ein wenig Geduld muss man als Zuschauer bei den vielen “Long Takes” schon haben, doch die lohnt sich. Denn die hitzige Schlussszene stellt den Höhepunkt des gesamten Films dar und enthüllt was während einer Konfrontation von Gewissen und Verpflichtung passiert.

Bacalaureat (2016)

Neben seinem Durchbruch “4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage” (2007) und dem ausgezeichneten “Jenseits der Hügel” (2012), kreierte Cristian Mungiu auch mit seinem neuesten Projekt “Bacalaureat” (2016) einen rumänischen Spielfilm vom Feinsten.

Obwohl das Thema des Filmes die typische Gesellschaftskritik des neuen rumänischen Kinos aufweist, geht er verstärkt auf die persönlichen Emotionen der Charaktere ein. Eliza, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht, wünscht sich im Ausland zu studieren. Ihre Pläne werden allerdings durch schockierendes ein Erlebnis durchkreuzt. Ihr Vater Romeo sieht sich für das Wohl seiner Tochter gezwungen eine Entscheidung zu treffen, die eigentlich seine Prinzipien entgegensteht. Romeo kämpft mit Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Hilflosigkeit, während Eliza sich von den Wünschen ihres Vaters erdrückt fühlt. Genau dieser Fokus auf das emotionale Dilemma der Charaktere ist es, der die Problematik des Filmes besonders universell und nachvollziehbar macht.