Auf unserem Portal stellen wir euch in loser Reihenfolge Beratungsstellen vor, an die sich Rumänen in Deutschland wenden können. Heute ist das Beratungsangebot der Fairen Mobilität an der Reihe:

Faire Mobilität – das ist ein deutschlandweites Projekt, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Ministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. „Das Ziel des Projektes ist es, mobile Arbeitnehmer/innen aus mittel- und osteuropäischen EU-Staaten zu unterstützen, die in Deutschland tätig sind“, erklärt Letitia Matarea-Türk, die seit 2014 als Beraterin für rumänische Staatsangehörige in der Beratungsstelle in Frankfurt tätig ist.
Der Schwerpunkt der Beratungsangebote liegt dabei vor allem im Bereich Arbeits- und Sozialrecht und hierbei besonders in der Durchsetzung von gerechten Löhnen. Neben einer umfassenden Beratung entwickelt die Faire Mobilität auch Bildungs- und Schulungsmaterialien und bietet Workshops und Bildungsveranstaltungen an. Zudem stellen sie eine breite Palette an Informationsmaterialien für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereit, „damit sie auch selbst nochmal die Möglichkeit haben, sich mit bestimmten Sachverhalten auseinanderzusetzen“, so Matarea-Türk.

Bundesweit gibt es acht Beratungsstellen, etwa in den Großstädten Berlin, München oder Stuttgart. In jeder Stelle arbeiten zwei bis drei Berater/innen, die neben Deutsch und Englisch auch immer mindestens eine osteuropäische Sprache beherrschen, um die Betroffenen in ihrer Muttersprache beraten zu können. Matarea-Türk meint dazu: „Wir haben häufig mit Personen zu tun, die selbst kein Deutsch sprechen und nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen, sie können beispielsweise nicht direkt mit dem Arbeitgeber sprechen, oder sie sind nicht in der Lage auf Deutsch zu schreiben. Da übernehmen wir dann bestimmte Aufgaben für sie.“

Dabei ist die Faire Mobilität für alle Fragen und Probleme zuständig, die in den Bereich Arbeitsrecht fallen: So können Betroffene sich etwa bei Fragen bezüglich der Entlohnung, etwa bei Mindestlohnverstößen, Verstöße den tariflich geregelten Mindestlohn betreffend oder etwa der Anrechnung von Überstunden, an die Berater wenden. „Wir haben häufig mit Fällen zu tun, in denen Betroffene zu wenig oder gar keinen Lohn bekommen“, so Matarea-Türk. Hier möchte die Berater und Beraterinnen Abhilfe schaffen und setzten sich deswegen für gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für die osteuropäischen Arbeitnehmer ein. Eine Wunschvorstellung wäre hier natürlich, „dass das was gesetzlich zum Großteil schon geregelt ist, auch in der Praxis umgesetzt wird“, so Matarea Türk. So sollten die osteuropäischen Arbeitnehmer für die gleiche Arbeit, die sie am gleichen Ort wie die einheimischen Arbeiter verrichten auch das gleiche Gehalt erhalten. Matarea-Türk gibt zu bedenken, dass es in der Praxis allerdings oftmals anders aussieht: „ Viele Arbeitgeber nutzen das Unwissen der Personen aus, die meistens überhaupt keine Ahnung bezüglich ihrer Rechte haben. Viele vereinbaren dann niedrigere Löhne als den Mindestlohn.“

© faire Mobilität

Aber nicht nur Probleme bezüglich der Entlohnung, auch Fragen zu Vertragskonstellationen, Arbeitslosengeld, Erwerbsunfähigkeit, Wohnungssuche, Krankenversicherung, Urlaubsrechten und Nichteinhaltung von Ruhezeit oder Arbeitszeit fallen in den Zuständigkeitsbereich der Fairen Mobilität. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beratung bei unsachgemäßen Kündigungen: „Alle Regelungen, die eigentlich für eine Kündigung eingehalten werden sollten, werden von den Arbeitgebern mobiler Beschäftigter häufig nicht eingehalten, weil sie wissen, dass die Betroffenen selbst keine Ahnung bezüglich ihrer Kündigungsrechte haben“, so Matarea-Türk. In solchen Fällen versuchen die Berater zwischen den osteuropäischem Arbeitnehmern und deren Arbeitgebern zu vermitteln und den Sachverhalt zu klären.

Die Beratung ist kostenlos und kann je nach Anliegen per Mail, per Telefon oder aber auch im Rahmen eines persönlichen Beratungsgesprächs durchgeführt werden. Das Beratungsangebot ist von Problem zu Problem unterschiedlich: „Manchmal reicht es aus, wenn man den Betroffenen Informationen gibt, wenn sie Fragen haben, dann klären wir sie über bestimmte Sachverhalte auf. Häufig müssen wir die Betroffenen aber auch unterstützen, beispielsweise indem wir sie an andere Stellen vermitteln“, so Matarea-Türk. Dabei versuchen die Berater/innen stets, den Betroffenen bestmöglich zu unterstützen und eine schnelle Problemlösung zu finden.