Alle, die sich ein wenig mit der rumänischen Kultur auskennen, wissen: der 30. November ist für die Rumänen ein ganz besonderer Tag. Zum Einen feiern an diesem letzten Herbsttag alle, die den Namen Andrei oder Andreea tragen, zum Anderen ist der heilige Andreas, abgesehen von seiner religiösen Konnotation, auch ein wichtiger Nationalfeiertag.

Der heilige Andreas – was auf griechisch so viel wie „mutig oder männlich“ bedeutet – ist ein Fest der Traditionen, Bräuche, aber auch des Aberglauben. Der Überlieferung zufolge war Andreas – auch „der erste Che-Mat“ genannt, weil er als erster auf den Ruf Jesu Christi reagierte – derjenige, der dem damaligen Volk der Daker erstmals das Evangelium predigte, und gilt seither als Apostel des rumänischen Volkes. Der 30. November, an dem heute immer noch viele Menschen seiner gedenken, ist sein offizieller Todestag. Ähnlich wie auch Jesus Christus wurde Andreas an einem X-förmigen Holzpfahl gekreuzigt; daher auch der Name „Andreaskreuz“.
Im Jahr 1997 wurde der heilige Andreas sogar zum Ombudsmann von Rumänien erklärt und seit 2012 gilt der 30. November im ganzen Land als ein gesetzlicher Feiertag.

Auch in diesem Jahr feiern wieder rund 700.000 Rumänen, die den Namen Andrei oder Andreea tragen, aber auch der Rest des Landes den 30. November als Namens- und Gedenktag. Vor allem der Feiertags-Vorabend, der mit den verschiedensten – zum Teil skurrilen – Bräuchen verbunden ist, genießt große Zustimmung.

Als Nacht des Heiligen Andreas (29.-30. November) wird er von vielen sogar als das rumänische Äquivalent zum Halloween-Fest angesehen. Viele Haushalte hängen beispielsweise Knoblauchkränze an Türen und Fenster oder verteilen zerkleinerten Knoblauch in den Tierställen, um das Eindringen böser Geister zu verhindern. Außerdem werden in dieser Nacht häufig Kirschblütenkerne eingepflanzt, die, wenn sie bis Weihnachten blühen, ein Jahr voller Glück bescheren sollen. Ein anderer Brauch ist zudem die Aussaat von Weizen oder das Ausstellen von 12 Zwiebeln (für 12 Monate im Jahr). Die Zwiebeln, die bis Weihnachten vergehen stehen für das Zeichen des Mondes, die Zwiebeln, die bereits Sprossen bilden, sind ein Zeichen des Reichtums.

Um zu verhindern, dass die bösen Geister in die Häuser eindringen, drehen die Menschen in dieser Nacht außerdem alle Töpfe und Tassen um. Auch auf das Weben wird in dieser Zeit verzichtet, um den Zorn der Jungfrau Maria nicht zu erregen. Etwas Weizen mit Erde und Wasser in einer Schüssel bildet eine weitere Tradition, an die sich vermutlich viele aus ihrer Kindheit erinnern. Der Aberglaube besagt, dass die Größe und Pracht des Weizens, der bis zum Neujahr wächst, zeigt, wie das nächste Jahr für den Betrachter sein wird. Gesunder und hoher Weizen bedeutet ein erfolgreiches Jahr, eine glänzende Zukunft, und eine Menge Gesundheit und Erfolg.